Vermehrte Diagnose an Depressionen und Burnout

Der folgende Artikel gibt meine persönliche Meinung wieder.

Wundern wir uns wirklich noch darüber, dass immer mehr Menschen mit einer Depression oder einem Burnout krankgeschrieben werden? Liegt das wirklich „nur“ daran, dass es keine andere passende Diagnose gibt?

Fakt ist: In Deutschland erkranken jedes Jahr ca. 5,3 Millionen Menschen an einer Depression. Jede/r Zweite bekommt imLaufe seines Lebens einmal eine Depression. Bis zum Inkrafttreten von ICD11 bekamen Menschen in einem Burnout die Diagnose Depressionen. Es ließ sich nicht anders abrechnen. Erst mit ICD11 gibt es eine abrechenbare F-Diagnose Burn-Out. Aber erklärt das schon, dass es jedes Jahr über 5 Millionen Menschen gibt, die mit einer Depression krankgeschrieben werden?

Ich denke nicht, dass dem so ist. Woran liegt es dann?

Schauen wir uns an, wie wir leben und arbeiten, dann fallen uns zwei Verhaltensweisen auf, die in meinen Augen nicht wirklich menschlich sind: wie wir miteinander umgehen und wie wir mit der Umwelt umgehen.

Erstens leben wir gerade in Deutschland nicht mit der Natur, sondern gegen sie. Wo immer es geht werden Flächen versiegelt, in Städten werden sogenannte Brachflächen gerodet und bebaut.

"Nach Berechnungen des Netzwerks Europäischer Eisenbahnen (NEE), die dem Tagesspiegel vorliegen, wurden seit der Bahnreform 1994 bis Anfang 2018 gut 1700 Kilometer Eisenbahnstrecke in Deutschland neu gebaut beziehungsweise bestehende Strecken umgebaut und modernisiert. Verglichen damit sei das Straßennetz um rund 247.000 Kilometer gewachsen, erklärt NEE unter Berufung auf Zahlen des Bundesverkehrsministeriums (BMVI)." (Aus dem Artikel „ 150 mal mehr Strassenkilometer als Schienenstrecke gebaut“ https://www.tagesspiegel.de/politik/investitionen-in-die-infrastruktur-150-mal-mehr-strassenkilometer-als-schienenstrecke-gebaut/24268820.html aus dem Tagesspiegel).

In Schleswig Hostein gibt es kaum noch größere zusammenhämgende Flächen mit Wald. Wer aber mal bewußt in den Wald geht um sich zu erholen und abzuschalten, der stellt fest wie gut das tut. Schleswig-Holstein ist ein Agrarland. Schaut man sich die Felder jedoch an, wachsen dort nahezu jedes Jahr die selben Dinge: Mais und Raps zur Energiegewinnung oder als Futter für die Tiere. Schauen wir uns dann an, was jährlich an Lebensmitteln weggeworfen wird, weil es einfach nicht „in die Norm passt“, dann fragt man sich unweigerlich: Muss das so sein?

craftsmen 3094035 640Ein zweiter Faktor, den wir uns in diesem Zusammenhang anschauen sollten, ist der, wie wir arbeiten oder miteinander umgehen. Viele von uns arbeiten und arbeiten, bekommen aber nur den Mindestlohn oder sogar noch weniger. Teilweise werden Mitarbeiter in den Niedriglohnsektor gesteckt. 450,- € reichen aber nicht zum Leben. Diejenigen, die noch einen Vollzeitjob mit gutem Gehalt haben, finanzieren die Gelder, die diese Niedriglöhner zusätzlich von den Kommunen oder vom Staat erhalten. Dabei werden zum Beispiel Mieten immer teurer. Wir zahlen stellenweise immer noch den selben Betrag wie vor der Einführung des Euro 2002, nur dass sich das Vorzeichen von DM zu EUR geändert hat und das Geld nur noch den halben Wert hat.

Auf der Seite der Firmen kommt der verbleibende Gewinn weder denen zu, die es erwirtschaften - den Arbeitern – noch wird es in den Firmen für sogenannte schlechte Zeiten zurückgelegt oder reinvestiert. „Vater Staat“ gibt uns schon Geld, wenn es uns schlecht geht." Gerade in der Corona-Krise war diese Einstellung sehr gut zu erkennen. Gleichzeitig wurden aber Dividenden an die Aktionäre in schwindelerregenden Höhen ausgezahlt. Da fragt sich so manch ein Mensch? Wozu arbeite ich, wenn nur Andere das Geld einsacken?

Die Corona-Krise hat uns das deutlich vor Augen geführt, was an unserem Wirtschaftssystem nicht in Ordnung ist: Manche Aktionäre haben so viel Geld, dass sie es nie in ihrem Leben werden ausgeben können. Und wenn wir uns das Totenhemd mal genauer anschauen, stellen wir fest, dass es weder Taschen noch einen Geldbeutel hat.

Es scheint so, dass die Zufriedenheit der Aktionäre wichtiger ist als die Zufriedenheit der Angestellten und Arbeiter. Das ist es, was ich eingangs unmenschlich nannte.

Und genau das ist es, was so viele Menschen in Depressionen und Burnout „treibt“. Die Frage, was habe ich am Ende des Tages davon, dass ich für einen anderen „mir den Arsch aufgerissen“ habe, bekommt immer mehr Punkte auf der negativen Seite. Für die positive Seite müssen wir uns als Arbeitnehmer auch noch selbst etwas suchen, was uns Sinn gibt. Zumal viele Vorgesetzte mit der Haltung ihre Macht gestalten „Nicht gemeckert ist schon Lob genug“.

Zusammenfassend komme ich zu einem ernüchternden Ergebnis: Uns Menschen wird das Menschsein sehr schwer gemacht. In einer Welt, in der das Geld regiert, ist auch nichts Anderes zu erwarten. Das alte Sprichwort „Geld regiert die Welt“ ist so wahr wie nie. Dabei ist es schon 400 Jahre alt: Wikipedia weiß dazu: Diese sprichwörtliche Redensart findet sich bereits in Georg Henischs 1616 gedrucktem Wörterbuch Teütsche Sprach und Weißheit und in ähnlicher Form in der Oper Margarete von Charles Gounod, wo es im Rondo vom goldenen Kalb heißt:

Ja, das Gold regiert die Welt.
Sie baut Throne,
Gott zum Hohne,
der Macht, die sie gefesselt hält.

Für mich ist es da nicht verwunderlich, dass immer mehr Menschen an Depressionen erkranken. Leben wir doch wieder mehr mit der Natur, statt sie nur auszubeuten. Schätzen wir die Menschen, die für uns arbeiten doch wieder wert und lassen ihnen den Wert zukommen, den sie verdienen. Nicht nur monetär, sondern auch in Form von Lob und Anerkennung.

Was bei den Parteien Bündnis90/Die Grünen und die Linke so hochtrabend sozioökonomisch genannt wird, ist nichts anderes als das.

Das Einleiungsbild stammt von Pixabay: Image by Alexas_Fotos from Pixabay


Drucken