Ängstlich zwanghafte Persönlichkeitsstörung

Neben meinen Depressionen habe ich Ängste. Sie gehören zu meiner ängstlich-anankastischen Persönlichkeitsstörung. Ich habe Angst vor Begegnungen mit Menschen. Vor allem fremden Menschen. Wenn es ganz schlimm wird, dann sage ich einen Termin ab. "Ganz schlimm" äußert sich in Magen-/Darmproblemen. Mir dreht sich im wahrsten Sinne des Wortes der Magen um.  Das ist unangenehm. Teilweise so unangenehm, dass ich Termine mit fremden Personen absage oder einfach nicht wahrnehme.

Was geht mir da durch den Kopf?

"Was sagen die über mich, wenn sie mich kennen gelernt haben?", "Was denken die über mich?", "Werden sie mich mögen?", "Werden sie enttäuscht sein?"

Das tut erstmal ungeheuer weh. Es schmerzt und ist furchtbar anstrengend, wenn man sich ständig vor Angst "in die Hosen macht". Das ist so unangenehm, dass ich mir die Strategie der Flucht als porbates Mittel angeeignet habe. Damals als Kind. Heute bin ich fast 60 und halte immer noch an dieser Strategie fest. Als Kind mag das gut und ok gewesen sein. Ich hatte keine Erfahrungen, Flucht ist ein einfacher Weg. Aber das macht auch ganz schön einsam. Einige, die diesen Text jetzt lesen und mich kennen, werden jetzt denken: "Das stimmt doch gar nicht. Ich erlebe Dich als sehr kommunikativ, offen sprachgewandt." Dort wo ich bereits einmal war oder wo ich mich auskenne, geht das auch wunderbar. Aber schicke mich z.B. zu einem Arzt, den ich nicht kenne und ich bekomme nichts mehr auf die Reihe. Wenn mich jemand begleitet, geht das auch wunderbar.

Diese Sache nervt mich ganz schön und ich möchte daran arbeiten, diese Ängste abzubauen.

Angst

Image by John Hain from Pixabay

Übrigens ist die ängstlich-anankastische Persönlichkeitsstörung eine häufige Grundlage für Depressionen. Dadurch, dass man nichts auf die Reihe bekommt, fehlt der Kontakt nach draußen. Die Freude kann sich nicht aufbauen. Das ist die Seite der Ängstlichkeit. Um die Seite der Anankastik zu beschreiben zitiere ich aus doccheck.com

"Menschen mit anankastischer Persönlichkeitsstörung sind sehr unentschlossen. Sie zweifeln viel an sich und anderen, doch dies ist nicht mehr als ein Ausdruck ihrer persönlichen Unsicherheit.

Sie neigen dazu, sich zu viele Aufgaben vorzunehmen. Diese wollen sie jeweils in Perfektion ausführen, was dann zum Verlust des Überblickes über die Situation führt. Die Patienten leben in einem ständigen Bedürfnis nach Kontrolle. Hierbei ist es egal, ob die zu erledigende Aufgabe wirklich wichtig ist oder nicht. Es kann keine Priorität ausgemacht werden Häufig werden wichtige Dinge ganz hinten angestellt und gehen so unter, da unwichtigere, kleinere Aufgaben vorgezogen werden. Diesen wird dann unverhältnismäßig viel Zeit und Aufmerksamkeit geschenkt.

Die Argumentation folgt oft Logik und Vernunft. Gefühlsmäßige Äußerungen anderer werden eher nicht toleriert. Auch sind die Personen nicht fähig, anderen Menschen gegenüber warme Gefühle zu zeigen.

Im Leben werden allgemein Arbeit und Produktivität vor soziale Kontakte und Vergnügen gestellt. Wenn Freizeitaktivitäten anstehen, müssen diese stets konkret geplant und nicht mehr verändert werden."

Auch ich habe lange die Arbeit vor soziale Kontakte gestellt. Wollte in allem perfekt sein, weil andere mich sonst nicht gemocht hätten - so mein Gedankengang. Das habe ich zumindest schon mal gelernt. Menschen gegenüber, denen ich absolut vertrauen kann, kann ich auch meine warmen Gefühle zeigen.

By the way: auch an diesem Artikel sitze ich ziemlich lange und feile an Formulierungen. Unverhältnismäßig? Vielleicht.


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