Das Aussortieren von Daten und die Gelassenheit

Daten, Daten über Daten.

Bei den ganzen Angeboten an Mails, Newslettern, Sozialen Medien und Nachrichtenportalen fällt es einem schwer den Überblick zu behalten. Hier an Angebot von Tchibo, dort ein Angebot von Zalando, mal schauen, was Ebay so bietet. Und dazu die ganz normale Flut an Informationen, die auch ohne Internet tagtäglich auf uns einprasselt.

Seit der Einführung von Smartphone, Tablett und Notebook mit UMTS hat das Tempo der Informationsverbereitung noch zugenommen. Wie soll man da den Überblick behalten?

In den Nachrichtensendungen des Fernsehens geht es schon lange nicht mehr nur um lokale Nachrichten, sondern um Nachrichten aus aller Welt. Wir erfahren, wie der Herrscher von Timbuktu regiert und hören gebannt, was ein Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika von sich gibt. Nebenbei chatten wir mit unseren Freunden und bekommen die neuesten Informationen von deren Verwandten, Kollegen und Freunden, so dass sich uns irgendwann der Kopf dreht und wir nicht mehr wissen wo uns selbiger steht.

Die Auswahl an Informationsquellen ist mittlerweile so riesig, dass wir noch nicht mal mehr wissen, wo wir zuerst hinschauen bzw. hinhören sollen.

Wie schaffen es da einige Mitmenschen völlig relaxed zu bleiben und dennoch informiert zu sein?

Diese Menschen nutzen ihre Fähigkeit sich auf eine Sache zu konzentrieren und das andere auszusortieren. Übrigens machen wir Menschen das zu jeder Sekunde: Bei allem, was zum Beispiel in unser Ohr dringt entscheidet unser Gehirn in Sekundenbruchteilen, wie der Körper darauf reagiert. Klingt es nach Gefahr oder wie ein Alarm, reagiert unser Körper in Sekundenbruchteilen mit Flucht.

Diese Fähigkeit kann man weiter ausbauen und so zum Beispiel Newsletter aussortieren. Wenn ich feststelle, dass ich einen Newsletter immer wieder noch nicht mal anschaue, sondern gleich lösche, dann kann ich ihn auch gleich abbestellen. Das beginnt sogar schon dann, wenn ich nur den Absender sehe und mir ein ungutes Gefühl hinterläßt. Einige wenige Quellen mit qualitativ hochwertigen Informationen stillen letztendlich meine Wissbegierde genauso wie viele kleine und teilweise schlechte Newsletter.

Für mich gehört auch dazu, dass ich mich auch stetig Frage: brauche ich das noch, oder kann das weg? Bringt es mir noch etwas diesem Newsanbieter zu folgen? Ist mir das so wichtig, dass ich dafür meine Zeit zum Lesen opfern möchte?

Hier gilt dann das, was ich immer wieder erlebe, wenn ich selbst bei mir aufräume: Mit jedem Teil, dass ich nicht mehr benötige und von dem ich mich trenne, wird meine Seele leichter. Das äußere Aufräumen wirkt sich auf unsere Psyche aus. Wer aufgeräumt ist, kann dann tatsächlich relaxen und doch gut informiert sein.

Genauso kann ich übrigens der Fülle an Messengern entgegnen: ich muß nicht jeden Trend mitmachen und wie die große Herde nach einem Alarmsignal davonlaufen. Vielleicht ist ja alles halb so schlimm. Wie sagten unsere Eltern? Es wird nichts so heiß gegessen, wie es gekocht wird.

Für die Corona-Krise gilt dementsprechend: Nicht ständig den neuesten Zahlen "nachjagen" und Pressekonferenzen unserer Politiker nicht anschauen. Aus denen wird man auch nicht schlauer, macht sich aber noch mehr verrückt, als man eh schon ist.

Übrigens: nur weil ich gerne mal etwas experimentiere und mich derzeit unter den Messengern umschaue heißt das nicht, dass man meinem „Vorbild“ folgen muss. Auch wenn ich eine Einladung verschicke, muss die niemand annehmen. Es ist nur ein Angebot.

Weniger ist mehr lautet hier die Devise. Weniger Information ist gleich ein mehr an Ruhe und Gelassenheit.

Oder wie es ein Dozent für Kommunikationstraining mal sagte: "Die Nachrichten, die für mich wichtig sind, erreichen mich auch ohne Nachrichten-Sendung."


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