Einschränkungen oder Freiheit?

Einschränkungen oder Freiheit?

Diese Corona-Krise zeigt nicht nur sehr deutlich die Schwächen unseres Wirtschaftssystems oder unseres Umgangs miteinander, sondern auch je mehr wir auf uns selbst zurück geworfen sind unsere Unzulänglichkeiten mit uns selbst.

Ich sehe sehr viele Menschen, die oft auf die Einschränkungen zu sprechen kommen. Sie werden es nicht leid sich immer wieder an den gesetzten Grenzen zu stoßen. Sie steigern sich gewißermaßen da hinein diese Grenzen zu kritisieren und dagegen anzugehen. Das kann sich so sehr steigern, dass diese Mitmenschen sich aktiv gegen die Gegebenheiten auflehnen und keine Maske tragen oder Abstände nicht einhalten.

Anders ist es für mich nicht erklärbar, dass ich so viele Menschen treffe, die sich einfach nicht an die Einschränkungen halten, die momentan gelten. Als würden sie denken, sie verlieren sich für immer, wenn sie nicht auch in solchen Situationen nebeneinander hergingen, wenn ihnen jemand entgegen kommt.

Aber was steckt dahinter?

Es kann meiner Meinung nach zwei Gründen dafür geben:

Erstens Egoismus. In unserer Welt hat sich in den vergangenen Jahren ein Verhalten durchgesetzt, dass sich immer nur am eigenen Nutzen orientiert. Vorgelebt von den Menschen, die Entscheidungen in den Wirtschaftsunternehmen treffen. Denn hier geht es oft nur nach dem eigenen Vorteil für die eigenen Aktionäre und das eigene Budget. Es gibt Ärger, wenn die Dividenden nicht stimmen. Und der eigene Bonus ist ja auch wichtig.

Zweitens spielt hier sicherlich auch Akzeptanz eine Rolle. Vielleicht sogar radikale Akzeptanz. Es fällt den Menschen schwer Grenzen oder Einschränkungen zu akzeptieren. Sie fühlen sich ihres Freiheitsrechtes beraubt, wenn die mal etwas nicht tun dürfen. Klar gerade jetzt im Shutdown sind diese Einschränkungen weitreichend - keine Reisen, teilweise keine Arbeit, kein Shopping, Essen gehen fällt auch flach und Reisen in den Urlaub in fernen Ländern fällt auch gerade aus.

Bei allem Verständnis ist es jedoch wichtig, dass wir uns an die jetzt einfachen und wichtigen Regeln halten um die Verbreitung des Virus einzudämmen. Unsere Beschränkungen sind zwar weitreichend für uns, aber nicht so weitreichend wie sie derzeit in anderen Ländern herrschen. Portugal ist da am heutigen Tage ein leuchtendes Beispiel, denn dort gibt es Ausgangssperren. Das andere Extrem wäre Brasilien, wo die Menschen "wie die Fliegen" sterben, weil die Regierung den Virus verharmlost. Das wollen wir doch auch nicht.

Als Mensch, der aus eigenem Erleben weiß was Deressionen sind und der deshalb sein Leben umstellen mußte, weiß ich auch wie schwer es ist Einschränkungen zu akzeptieren, Aufgrund meiner Erkrankungen muss ich damit leben nicht mehr alles so machen zu können, wie das früher mal der Fall war.

Als Beispiel fällt mir dazu ein Fußballspiel ein: Auf einem begrenzten Rasenplatz wird mit 22 Menschen gespielt. Ich kann mich entscheiden, wie und wo ich hinlaufe. Ob mit oder ohne Ball. Ich muss nur innerhalb des abgesteckten Platzes bleiben. Darin kann ich mich aber (bis auf die Abseitsregel) nahezu frei bewegen. Und hier wie im echten Leben sollte sich mein Handeln am Wohle der Anderen (Mitspieler) MItmenschen richten. Vielleicht kann ich ja sogar etwas gutes für die Anderen tun, die mit in meiner Mannschaft sind.

Was mir dabei geholfen hat sind radikale Akzeptanz und die Fähigkeit mich innerhalb meiner Grenzen frei bewegen zu können. Ich starre nicht ständig auf die Einschränkungen, die mich "behindern", sondern ich schaue wie und wo ich mich innerhalb meiner Grenzen bewegen kann. Hin und wieder schaue ich, wie ich diese Grenzen mal ein kleines bisschen verschieben kann.

Anstatt auf das Negative durch die Eishränkungen zu starren täte es uns ganz gut mal positiv zu schauen, welche Möglichkeiten wir haben unser Leben innerhalb dieser Einschränkungen zu gestalten. Klar muss ich dann auch auf manch liebgewonnene Gewohnheit verzichten. Aber vielleicht entdecke ich ja auch genau darin die "neue" Freiheit ganz was Neues zu entdecken.

Ich wünsche uns, dass wir es schaffen die geltenden Regeln und Einschränkungen zu akzeptieren, weil sie auch uns nützen und schützen. Und dass wir es lernen innerhalb unserer Grenzen neue Freiräume zu entdecken. Hier ist es wie mit einem Menschen, der ständig in der Welt herum reist und das eigene Land nicht kennt. Auch da gibt es schöne Fleckchen.

Die Gedanken, die ich hier geäußert haben entstammen übrigens der Denkweise der Salutogenese. Die Salutogenese schaut bei Erkrankungen nicht auf die damit verbundenen Einschränkungen sondern auf die Möglichkeiten, die verblieben sind.


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